Das "Chinesiche Dorf" Mou-lang

 

Der Mulang befindet sich am südlichen Rande des Bergparks Kassel- Wilhelmshöhe. Er befindet sich auf dem Hang oberhalb des Schloßteiches. Das chinoise Parkdorf Mou-lang wurde ab 1781 von Landgraf Friedrich II gebaut und von Wilhelm IX erneuert und weiterentwickelt.

Europa war im 17. und 18. Jahrhundert von einer China-Begeisterung ergriffen. Die Vorstellung das ein rießiges, friedliches Reich seine zahlreiche Bevölkerung in alles Schichten literarisch und philosophisch gebildet war, faszinierte die Europäer.  Ein  Kaiser der einerseits göttergleich und andererseits aus Ermangelung eines geeigneten Sohnes einen Bauern als seinen Nachfolger bestimmt hatte, beschäftigte die Phantasie. Die Beschreibung eines verstreuten Zierdorfes in einem kaiserlichen Park drang nach Europa, in der man "Mou-lang" heraus hören kann.
Die Mulangstraße führt vorbei an allen Häusern und der Pagode.

                                                                                                                               

Chinesisches Haus in Mou-lang. Entwurf von 1790, Handzeichnung.

Der Bau des chinesischen Dorfes bei Schloß Weißenstein begann 1781. Südlich des Schlosses lag ein ideal geeignetes Gelände. Es gab dort einen Hang, Felsen, Wasser und die Nähe zum Parkrand. Es wurden zunächst hölzerne, strohgedeckte Häuschen gebaut und mit Blech-Ornamenten geschmückt. Der Hofgärtner Daniel Augutst Schwarzkopf wurde mit den Planungen beauftragt. Es sollten nicht nur Gebäude sondern auch Gehölze in chinesischem Stil angelegt werden. Baumgruppen wie der Taschentuchbaum wurden in Gruppen gepflanzt um Hell-Dunkel-Kontraste hervor zu heben.
In China assoziiert man mit ihnen das Weltprinzip von Yin und Yang, den beiden gegensätzlichen Kräften, die nach alter Überlieferung sämtliche Abläufe der Natur bestimmen. Die harten, trockenen, nach oben strebenden Felsen symbolisieren die männliche Kraft Yang, das stille, weiche Wasser die weibliche Kraft Yin.

Die Schloßbibliothek Wilhelmshöhe enthielt Werke von Willieam Chambers, der lange als kaufmann in China gelebt hatte. Nach seiner Rückkehr verfaßte er Bücher über die ostasiatische Baukunst, chinesische Parkbauten und chinesische Gartenanlagen.

Chambers hat den Brief des Jesuiten Attiret über die kaiserlichen Gärten, wo es eine Miniaturstadt gab und ein ländliches Gegenstück gelesen.  Man meint, eine Beschreibung des Dörfchens Mou-lang zu lesen. Als locker komponiertes Dörfchen mit eindeutigen, authentischen Bezügen zu China ist Mou-lang einzigartig. 

Das Parkdorf Mou-lang ließ Wilhelm IX indes stehen und baute es sogar weiter aus, was sicherlich am Hofgärtner Schwarzkopf gelegen haben dürfte.  Wilhelm modernisierte die Häuschen Ende des 18. Jahrhunderts, indem er die früheren Holzhäuser durch Steinbauten ersetzen ließ; beim Neubau wurde viele Ornamente weggelassen, aber geschwungene Giebel und Dachlaternen sorgten für ein nach wie vor chinesisches Bild.

Kleines Wohnhaus am Mulang
Kleines Wohnhaus am Mulang
Geschwungener Giebel am Wohhäuschen
Geschwungener Giebel am Wohhäuschen

 

 

                                                                            

 

 

 

Karte des »Chinesischen Dorfes« Mou-lang von Maren Brechmacher-Ihnen, 2003. Weiter unten sind Kartenausschnitte aus dem 19.Jahrhundert zu finden. Zeichnung: Martina Umathum. Die Mulangstraße als Parkchaussee ist deutlich zu sehen, an der die meisten Gebäude locker aufgereiht sind. Es gibt aber auch einen Ortskern zwischen Bagatelle und Kuhställen, bei der Einmündung der heutigen Kurhausstraße. Die Mulangstraße ist heute auf den ersten Blick eine normale Fahrstraße, der Zusammenhang des Dörfchens Mou-lang ist dadurch nicht mehr gut zu erkennen.

Im Park am Rande vom Mulang ist ein kleiner Tempel in chinesischer Bauart.

Tempelchen am Rande des Mulang

Tempelchen am Rande des Mulang